- Für den 27.05. hatte die IG Metall Rendsburg die Beschäftigten der Lapmaster Wolters GmbH zum „Gleitzeit-Warnstreik“ aufgerufen. Trotz der Urlaubszeit sind mehr als 100 Beschäftigte der Aufforderung nachgekommen.
- Die Beschäftigten wollen mehrheitlich tarifliche Regelungen. Sie fordern unter anderem ein gerechtes Entgeltsystem, faire Industrielöhne und eine Beschäftigungssicherung.
- Die Geschäftsführung des Industriebetriebs weigert sich, Verhandlungen mit ihrer betrieblichen Tarifkommission und der IG Metall aufzunehmen.
Dazu Anna Siebert, zuständige Politische Sekretärin bei der IG Metall Rendsburg: „Die berechtigte Forderung der eigenen Beschäftigten nach Tarifverhandlungen auszusitzen, lässt Respekt vor der eigenen Belegschaft vermissen. Als Weltmarktführer im Bereich der Poliermaschinen ist Lapmaster Wolters in der Lage, seinen Beschäftigten wettbewerbsfähige Industrielöhne zahlen – macht es aber nicht. Wertschätzung sieht anders aus. Das Verhalten der Geschäftsführung verkennt den dringenden Wunsch der Beschäftigten nach einem Tarifvertrag, nach der Sicherung der Beschäftigung am Standort Rendsburg und nach Verteilungsgerechtigkeit. Wie will Lapmaster Wolters so als Arbeitgeber attraktiv bleiben? Abwanderung von Fachkräften passiert bereits, der Handlungsbedarf ist dringend.“
Der Warnstreik war nicht nur für die Mitarbeitenden von Lapmaster Wolters Neuland, auch die IG Metall Rendsburg probierte gemeinsam mit ihnen mit dem „Gleitzeit-Warnstreik“ etwas Neues aus: Statt zu einer großen Warnstreik-Kundgebung lud sie die Kolleginnen und Kollegen innerhalb von zwei Rahmenzeiten (5 bis 9 Uhr und 13 bis 16 Uhr) an einen Warnstreik-Informationsstand ein. Je nach Schicht und Lage der Arbeitszeit konnten Beschäftigte 1,5 Stunden in Form eines Spätstarts oder Frühschlusses ihre Arbeit niederlegen. Getreu nach dem Motto „Ausschlafen für einen Tarifvertrag“ oder „Ausspannen für einen Tarifvertrag“. Die Warnstreik-Zeit konnte am Stand, aber auch mit der Familie oder für Erholung genutzt werden. Weitere Aktionen sind in Planung.
Zur an die Geschäftsführung übermittelten Tarifforderung gehört die Einführung eines gerechten Entgeltsystems, das gleiche Arbeit gleich entlohnt. Auch regelmäßige Entgelterhöhungen, eine Beschäftigungssicherung und eine zusätzliche Sonderzahlung mit der Möglichkeit, zwischen Geld und freien Tagen zu wählen, zählen zur Tarifforderung.
Die über 400 Beschäftigten der Lapmaster Wolters GmbH stellen Polier-, Schleif-, Läppmaschinen und Drahtsägen her, die zum Beispiel im Halbleiterbereich oder der Automobilindustrie zur hochpräzisen Bearbeitung verwendet werden. Im Jahr 2024 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 268 Millionen Euro und einen Gewinn von 32,6 Millionen Euro. Gewinne werden innerhalb der Unternehmensgruppe, deren Muttergesellschaft in den USA sitzt, abgeführt. Während in tarifgebundenen Industriebetrieben der Metall- und Elektroindustrie die 35-Stunden-Woche gilt, wird bei Lapmaster Wolters 40 Stunden die Woche gearbeitet. Die Löhne liegen zudem etwa 20 Prozent unter dem Niveau des Flächentarifvertrags.